Etna 2015

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Wir befinden uns zwar inmitten der Hamburger Sommerferien, dennoch geht ein Schülerteam auf eine einwöchige Jugend forscht-Forschungsreise. Vom 08.–15. August 2015 werden unter der Leitung von Wolfgang Fraedrich (Geologie), Miriam Gesthuisen (Geographie) und Mareike Schauß (Biologie) 12 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Heidberg nach Sizilien fliegen, um dort für verschiedene Projekte in drei verschiedenen Fachgebieten in der Ätna-Region zu arbeiten.
Auch bei dieser Projektfahrt wird es die lange bewährte Kooperation mit dem Istituto Nazionale die Geofisica e Vulcanologia, kurz INGV) geben, maßgeblich beteiligt sein werden der Vulkanologe Dr. Boris Behncke und sein Kollege Dr. Salvatore Giammanco, dessen Spezialgebiet die Gasmissionen des Vulkangebiets sind.

Wir bauen auf eine gut funktionierende Internetverbindung in unserer Unterkunft in Motta Sant’Anastasia am Südrand des Ätna-Massivs, dem Motta Residence Hotel, das unser Reiseveranstalter CTS-Reisen (Lemgo) für uns ausgesucht hat. Wenn alles klappt, können ab Sonntag (9. August 2015) Tagesberichte von unserer Arbeit an dieser Stelle abgerufen werden.

Bald geht es los …

Und jetzt …

Samstag, 8. August 2015
Für die meisten von uns war die Nacht um 3:30 zu Ende, denn um 4:30 Uhr war Treffen im Terminal 2 des Hamburger Flughafens. Da innerhalb der ersten 20 Minuten nach 6:00 Uhr allein vier Flugzeuge unserer Fluggesellschaft Germanwings auf den Weg gingen, war der Andrang an den Schaltern für die Gepäckaufgabe und beim Security Check groß, dennoch starteten wir nur mit leichter Verspätung … – … um nach ruhigem Flug pünktlich um 9:00 Uhr in Catania zu landen.

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Im Landeanflug über Sizilien
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Kurz vor der Landung: Blick über die Ebene von Catania

Nachdem wir unser Gepäck hatten und unsere Fahrzeuge angemietet hatten, machte wir uns auf den Weg nach Motta Sant’Anastasia, einem kleinen Ort am Südrand des Ätna, der fortan unsere Übernachtungstandort sein wird.

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Blick auf unsere Unterkunft, das Motta Residence Hotel

Nach dem Check In ging es zunächst auf eine Einkaufstour, denn die Tagesverpflegung musste besorgt werden.
Doch während des Einkaufs zog ein Gewitter auf, dass unseren ursprünglichen Plan, zur Gole Alcantara zu fahren, zunichte machte. Wer weiß, ob wir dort nicht im Regen versinken würden.

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Der nur noch verschwommene Blick auf den Ätna verheißt nichts Gutes

Also entschlossen wir uns zu einem ersten Besuch von Catania. Wir parkten unsere Fahrzeuge inmitten des Zentrums und gingen von dort aus zunächst zunächst durch den alten Stadtkern zum Castelle D’Urso, der alten Festung der Stadt, die beim Ausbruch 1669 von der bis ins Meer fließenden Lava umflossen wurde und daher erhalten blieb.

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Das erste Gruppenbild. Stehend (v. l.): Frieke Krusch, Jia Song, Alia Grasshoff, Alexandra Widder, Alina Wetzel, Jan Malte Gläser, Jonathan Grambeck, Lasse Keim, Julius Fraedrich, Jakob Fraedrich; vorn (v.l.): Wolfgang Fraedrich, Mitra Barie Azizi, Elisabeth Gläser, Mareike Schauß, Miriam Gesthuisen, Muska Ahmadsei, Alina Kröger
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Nur noch für Kurzentschlossene: Obsteinkauf auf dem Markt, der eigentlich schon beendet war

Der Plan, dann die Einkaufsmagistrale, die Via Etnea, entlang zu flanieren, wurde dann schnell verworfen. Denn inzwischen hatte das Gewitter auch Catania erreicht und wir konnten uns gerade noch trocken in das Café Duomo retten. Erst nach zwei weiteren Stunden ließ der Regen nach.

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Ein 270°-Panorama des Piazza Duomo in Catania – vor dem Gewitterregen

Wir fuhren direkt nach Tremestieri Etneo, wo wir um 19:30 Uhr zum Abendessen und zum ersten Treffen mit Boris Behncke und seiner Familie verabredet waren. So konnten wir schon andiesem Abend das weitere Programm ein wenig vorplanen.

Müde vom vollem Magen ging es von dort aus gegen 22:00 Uhr zurück nach Motta Sant’Anastasia. Bettruhe war angesagt.

 

Sonntag, 9. August 2015
Der heutige Exkursionstag begann mit dem Frühstück um 8:30 Uhr. Um 10:00 Uhr starteten wir dann Richtung Etna Nord. der Weg führte über die Auitobahn an Catania vorbei Richtung Messina bis zur Abfahrt Fiumefreddo, von dort weiter nach Linguaglossa und dann weitere 20 km aufwärts bis zur Piano ProvenzBlickana, dem Tourismuszentrum auf der Nordseite des Ätna.

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Gruppenfoto auf dem Giebel eines einst zweigeschossigen Restaurantgebäudes
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Blick auf die neue Infrastruktur an der Piano Provenzana

Die gesamte einstige Infrastruktur wurde von Ende Oktober 2002 bis Februar 2003 komplett zerstört, zunächst durch ein Erdbeben und nur wenige Tage später durch mehrere Lavaströme eines Ausbruchs, der ungefähr 1000 Höhenmeter oberhalb entlang einer Spalte begonnen hatte. Inzwischen hat sich hier eine neue Infrastruktur entwickelt.

Mehrere unserer Jungforscherinnen hatten hier oben ihren ersten Arbeitstag. Zum einen ging es darum, die bei dem Ausbruch 2002/2003 geförderten Vulkanite für weitere Laboranalysen zu beproben, zum anderen wurden die Pionierpflanzen auf junger Lava in größerer Meereshöhe genauer untersucht. In einem weiteren Projekt wird untersucht, wie sich Bäume der Extremsituation anpassen.

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Während des Sommers ist in den Höhenlagen noch Frühling
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Für Vulkane wie dem Ätna ist eine grobkristalline Lava eher untypisch
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Spärliches Pflanzenwachstum im Untersuchungsgebiet

Leider kamen zum Nachmittag hin regenschauer auf, jeder so heftig, dass wir jeweils gut nass wurden. Das hielt uns davon ab, noch höher aufzusteigen. Dennoch: Diese erste Wanderung – für viele von uns die erste auf einem aktiven Vulkan überhaupt –wurde zum absoluten Erlebnis, zumal wir auch einen echten Lavatunnel in Augenschein nehmen konnten.

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Blick in einen Lavatunnel

Gegen 17:30 Uhr verließen wir die Piano Provenzana wieder und es ging zurück nach Motta Sant’Anastasia. Der lange Stau vor der Mautstelle auf der Autobahn bei Catania konnte uns den erlebnisreichen Tag nicht mehr vermiesen.

Das Abendessen wurde unterschiedlich gestaltet. Während sich die einen eine Riesenpizza liefern ließen, gingen andere in einer Pizzeria essen oder es wurde ganz einfach selbst gekocht.

Um 22:30 Uhr war Bettruhe. Die meisten waren froh, in die Horizontale übergehen zu können.

 

Montag, 10. August 2015
Am heutigen Tag ging es darum, sicher einerseits hinsichtlich der Projektthemen weiter im Gelände zu orientieren, andererseits aber auch weitere Aufgaben zu erledigen.

Nach dem Frühstück um 8:00 Uhr ging es um 9:00 Uhr los. Die >Geographen< hatten als Tagesziel die Stadt Nicolosi, die für sie in den nächsten Tagen das Exkursionsgebiet sein wird.

Für die >Geologen< und >Biologen< war das erste Ziel die Sallinelle di Paternò, ein Schlammvulkanfeld, das eher unscheinbar wirkt, das es aber geologisch in sich hat. Denn man weiß inzwischen: Werden die Schlammvulkane aktiv, geht der Ätna einem nächsten Ausbruch entgegen.

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Blick über die Saloinelle di Paternò, im Hintergrund rechts ist der Ätna am Horizont zu sehen
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Dr. Salvatore Giammanco (kurz: Salvo), unser Guide vom INGV, bei den ersten Erläuterungen

Wir hatten mit unserem >timing< großes Glück: Nur wenige Tage zuvor sind die Schlammvulkane wieder aktiv geworden. Zum Teil sogar so heftig, dass die benachbarte Straße gesperrt werden musste, weil sich der Schlamm dorthin bewegt. Es scheint sich im Inneren des Vulkans also wieder etwas anzubahnen. Salvo erläuterte die vulkanologischen Zusammenhänge und dabei auch viele wichige Details und führte uns mit Vorsicht über das Schlammvulkanfeld bei Paternò.

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Die einzelnen >mud pools< zeigen aktuell eine ungewöhnlich hohe Aktivität

Ein wesentlicher Aspekt bei der Beobachtung ist die Observation der austretenden Gase, die wir teilweise auch selbst direkt vor Ort analysieren konnten. Zunächst waren es Probemessungen. Im Verlauf ein es weiteren Besuchs in den nächsten Tagen wird das Ganze dann noch einmal ganz systematisch und sehr viel ausführlicher durchgeführt.

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Gasanalysen vor Ort sind wichtig, um Genaueres über die Aktivitäten im Inneren des Ätna ableiten zu können, sie sind Teil eines der Projekte

Von Paternò aus ging es durch den Ort hindurch zum nächsten Schlammvulkanfeld im Osten der Stadt, der Salinelle di San Biagio. Hier wurden die Informationen ergänzt und vertieft und auch hier wurden Probegasanalysen durchgeführt.

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Ein Vulkan im Miniaturformat, dieser >mud volcano< ist nur etwa 40 cm hoch, ist aber seit wenigen Tagen langsam, aber unaufhörlich aktiv

Etwa gegen 12:30 Uhr fuhren wir hinauf in Richtung Ätna. Ziel war die Touristenstation Rifugio di Sapienza auf ca. 1900 m Meershöhe. Die fahrt führte durch Lavaströme unterschiedlichsten Alters und unterschiedlicher Ausdehnung und Mächtigkeit.
Dort oben angekommen legten wir zunächst eine kurze Mittagspause ein, allerdings gab es auch Informationen zum Ausbruch des Jahres 1892, der zahlreiche Krater, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, geschaffen hat. Im Anschluss daran ging es weiter Richtung Zafferana Etnea, mit einem weiteren Stopp an einem ausgedehnten Lavatunnel, der sehr eindrucksvoll offenbart, wie ein Lavastrom aufgebaut ist und wie die Lava in einem Tunnel fließt.

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Erläuterung zur Dynamik von Lavaströmen

Der letzte Stopp unserer Tagesexkursion lag östlich von Zafferana Etnea in dem kleinen Ort Dágala. Hier suchte Salvon mit uns eine völlig unscheinbare Emissionsquelle für vulkanisches gas auf, an der er regelmäßig Messungen durchfühen muss, vor allem auch die Menge des austretenden Radon (ein wichtiger Indikator für aufkommende Aktivität!) bestimmen muss. Und diese erreichte tatsächlich recht hohe Werte …

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Salvo erläutert Mareike Schauß die Bedeutung der Gasemissionen bei der Überwachung von Vulkanen wie dem Ätna

Da der tägliche Nachmittagsregen eingesetzt hatte und Salvo wieder zurück nach Catania musste, machten wir uns auf den Heimweg, kauften aber zuvor für die nächsten Tage in Giarre ein.

Der Abend klang mit dem Abendessen, Karten spielen und DFB-Pokal aus. Um 22:30 Uhr war Bettruhe.

 

Dienstag, 11. August 2015
Der erste Versuch … – um in die Gipfelregion des Ätna zu kommen.
Daher war bereits um 7:00 Uhr das Frühstück angesagt und um 7:50 Uhr ging es los zur Rifugio Sapienza. Abermals hindurch durch Olivenhaine und die Stadt Belpasso mit ihren verwinkelten und schmalen Straßen. Pünktlich zur verabredeten Zeit (9:00 Uhr) waren wir oben auf fast 2000 m Höhe und auch Boris traf fast zeitgleich mit seinem INGV-Jeep ein.
Doch die Ernüchterung folgte sogleich: Ein Besuch der Gipfelregion mit der ganzen Gruppe würde sich aufgrund der kurz zuvor veröffentlichten Wetterprognose (starke Regenschauer, zum Teil gewittrig) nicht lohnen und auch zu gefährlich sein.
Da u. a. auch Gasmessungen in einem Schlackenkegel auf rd. 2500 m Höhe stattfinden sollten, fuhr Boris mit Julius dorthin, um dies zu erledigen, gleichzeitig nutzten sie die Gelegenheit, den Südostkrater in Augenschein zu nehmen, um dort geeignetes Probenmaterial zu sammeln.

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Blick auf die Südostkrater im Hintergrund

Die Geographen gingen mit Frau Gesthuisen zum Hotel Corsaro, um dort ein ausführliches Interview mit den Hotelbetreibern führen zu können.

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Anlage des Hotels Corsaro, das nach der Zerstörung 1983 durch einen Lavastrom seinerzeit neu gebaut worden ist

Die Biologen und die übrigen Geologen hatten eine Wanderung zu einer der Eruptionsspalten des Jahres 2001 und zu den Kratern der Mti. Silvestri (Ausbruch 1892) auf dem Programm. Während die einen sich um die Pionierpflanzen kümmerten und Asche sowie Lapilli sammelten, die dann in Laborversuchen als Nährboden dienen sollen, besprobten die anderen die Laven der unterschiedlichen Ausbrüche.

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Schlackenkegel und Lavastrom vom Juli 2001, teilweise überdeckt von feinkörniger Asche der jüngsten Ausbrüche
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Blick auf die Infrastruktur der Rifugio Sapienza inmitten des Lavastroms vom Juli 2001
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Gruppenbild der Biologie- und Geologie-Teams

Rechtzeitig zu Beginn des Starkregens, der sich mit seinen dunklen Wolken längst angekündigt hatte, waren alle gegen 13:00 Uhr wieder zurück an der Rifugio Sapienza.
An eine Fortsetzung des Programms dort oben war nicht zu denken, aber es gibt ja noch zwei weitere Gelegenheiten.
Das Nachmittagsprogramm gestaltete sich arbeitsteilig. Einige konnten sich erholen, andere sortierten die Tagesergebnisse, wiederum andere machten sich erneut auf den Weg nach Paternò, um dort die Schlammvulkane in Ruhe und systematisch zu beproben und um in ähnlicher Ausführlichkeit die Gasmessungen durchzuführen.

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Seit gestern hat sich an den Schlammvulkanen etwas getan, ein Erdwall verhindert, dass der geförderte Schlamm weiterhin auf die Straße fließen kann
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Ein Gewitter braut sich allmählich zusammen

Doch dort angekommen dauerte es nur wenige Minuten und erneut gab es wolkenbruchartigen Regen, der eine weitere Arbeit vor Ort unmöglich machte. Aber auch hierfür gibt es ja weitere Gelegenheiten.

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Rückfahrt nach Motta Sant’Anastasia im Gewitterregen
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Sturzbach im Rinnstein
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Blick vom Balkon eines unserer Apartments über die Dächer von Motta Sant’Anastasia und die Ebene von Catania bis hinüber zu den Mti. Iblei

Nach dem Abendessen (es gab individuelle Speisepläne in den einzelnen Apartments) fuhren die drei Lehrkräfte sowie Jonathan und Malte noch gemeinsam mit Boris nach Nicolosi zum dortigen Rathaus. Boris hatte für 19:15 Uhr einen Interviewtermin mit Nicolosis Bürgermeister Nino Borzi vereinbart, der auf eine Vielzahl von Fragen, vor allem zu Entwicklung Nicolosis und zum Tourismus in Nicolosi, ausführliche Antworten gab. Gegen 20:30 Uhr ging es zurück nach Motta Sant’Anastasia.

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Das Rathaus in Nicolosi
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Der Bürgermeister von Nicolosi, Nino Borzi, mit Jonathan Grambeck und Jan Malte Gläser
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Boris gibt auf dem Marktplatz kurzerhand ein Interview für den regionalen TV-Sender
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Abendhimmel über Sizilien

Bettruhe war etwa gegen 22:30 Uhr – am nächsten Tag (zweiter Versuch, die Gipfelregion zu erreichen) ist das Frühstück für 6:30 Uhr vorgesehen!

 

Mittwoch, 12. August 2015
Der zweite Versuch … – um in die Gipfelregion des Ätna zu kommen.
Doch auch heute wurde es nichts. Nach dem Frühstück um 6:30 Uhr und der Abfahrt um 7:30 Uhr schien es auf der Hinfahrt, dass es klappen könnte. Bei sonnigem Wetter stieß der Ätna aus mehreren Gipfelkratern weithin sichtbar große Mengen Gas aus (vor allem Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf).

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Der hohe Gasausstoß des Ätna ist weithin sichtbar

Doch an der Rifugio Sapienza angekommen wurde schnell deutlich, dass uns an den Gipfelkratern nur Nebel erwarten würde. Also gab es >Plan B<, eine Exkursion rund um den Ätna, um Lavaströme verschiedener Generation in Augenschein zu nehmen und zu beproben und um das Pflanzenwachstum in den verschiedenen Höhenlagen genauer zu untersuchen. Das Geographenteam fuhr mittags noch einmal nach Nocilosi, um dort weitere Rec herchen vor Ort durchführen zu können.

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Gruppenbild in Ätna-Nationalpark
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Interessant für die Biologen: Diese Baumscheibe des Ätna-Ginsters kann viel über das Leben des Baums und seine Lebensbedingungen berichten
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Panoramablick über einen Teil der Stadt Bronte an der Westflanke des Ätna
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Eine Ruine in Randazzo dokumentiert die zerstörerische Kraft der Lava des Ausbruchs am 17./18. März 1981
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Ein typischer Lavaaufschluss an einem Straßeneinschnitt, er ist ideal zum Beproben
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Eine Gedenktafel an der alten Lavafront dokumentiert die Szene aus dem Jahr 1923, in der der Schutzheilige den Lavastrom in Linguaglossa zum Stoppen brachte

Die >excursione circum etnea< endete erst um 18:30 Uhr, vom letzten Halt bei Mascali ging es anschließend direkt nach Nicolosi zum gemeinsamen Abendessen im Museo Volcanologico dell’Etna.

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Blick in die Via Cesare Battisti im Zentrum Nicolosis mit dem Museum (im Hintergrund)

Erst um 22:20 Uhr waren wir wieder zurück in Mottag Sant‘ Anastasia. Ein ereignisreicher und für die einzelnen Projekte ergiebiger Tag hat wieder erfolgreich geendet.

 

Donnerstag, 13. August 2015
Heute ging es darum, die letzten Arbeiten im Gelände abzuschließen und zu überprüfen, ob und inwieweit alles erledigt ist. Daher war frühes Aufstehen nicht für alle zwingend. Einen dritten Versuch, die Gipfelregion des Ätna zu erreichen, hatten wir bereits am Vorabend aufgrund der Wettervorhersage gestrichen – diese stellte sich dann auch als richtig heraus. Fast den ganzen Tag über waren die Gipfelkrater in Wolken gehüllt.

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Blick über die Salinelle di Paternò auf den Ätna

Bei den Geologen mussten die Schlammvulkan- und Gasexperten noch einmal ins Gelände, um Probenmaterial für weitere Laboranalysen zu entnehmen und um Temperatur- und Gasmessungen systematisch durchführen zu können. Die Teams waren bereits um 9:00 Uhr vor Ort in Paternò und hatten ihre Arbeiten an der Salinelle die Paternò und anschließend an der nur wenige Kilometer entfernten Salinelle di San Biagio gegen 11:30 Uhr beendet.

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Alina beim Beproben eines Schlammvulkans

Die übrigen Teams sortierten währned des Voprmittags ihr Probenmaterial und sichteten die gesamten Aufzeichnungen. Zu überlegen war auch, welche Fragen noch bei den Abschlussgesprächen im INGV am Freitag mit Salvo und Boris und zu klären sein würden.

Für mittags um 13:30 Uhr verabredeten wir uns mit Boris in Aci Castello. Hier standen wir dann auf der Felsplattform der einstigen Festung auf der über 500.000 Jahre alten Lava des >Ur-Ätna<, dessen Ursprung im Meer lag. Eindrucksvoll sind hier die Kissenlavastrukturen zu erkennen, die dort später in frühhistorischer Zeit – längst aus dem Mittelmeer herausgehoben – von jüngerer Lava überdeckt worden sind.

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Der >Ur-Ätna< bei Aci Castello – über 500.000 Jahre alte Kissenlava wird von einem Lavastrom aus historischer Zeit überdeckt

Anschließend fuhren wir weiter bis hinter die kleine Stadt Francavilla am Nordostrand des Ätna in das Alcantara-Tal. Der Blick in die tiefe Schlucht mit den eindrucksvollen Basaltsäulen der Gole Alcantara blieb uns regelrecht verwehrt, denn aufgrund der Touristen-/Urlauberfülle kamen wir mit unseren Autos nicht einmal auf den völlig überfüllten Parkplatz. Dies ahnend hatte Boris aber die passende Alternative. Wir fuhren weiter einige Kilometer flussaufwärts. Auch dort war Badebetrieb, aber es quoll nicht über.

Letztes Probenmaterial der mehr als 6.000 Jahre alten Lava wurde genommen, dann bestand die Möglichkeit zum Bad im Fluss (Wassertemperatur ca. 18 °C).

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Einer der zahlreichen kleinen Wasserfälle des Alcantara-Flusses
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Malte beim Überqueren des Alcantara-Flusses
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Neben Badegästen gab es auch Fische im Fluss

Gegen 16:30 Uhr brachen wir dort wieder auf und fuhren zurück zum Hotel, Ankunft dort war gegen 18:30 Uhr.

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Der Sonnenuntergang fotografiert von der Dachterrasse unseres Hotels
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Die Sonne – einmal ganz nah

Die Apartmentgruppen kochten indivíduell. Abendessen war dann gegen 20:30 Uhr. Für die meisten ging der aufgrund der in der Ebene deutlich höheren Temperaturen (33 °C) und der intensiven Sonne anstrengende Tag gegen 23:00 Uhr mit der Bettruhe zu Ende.

 

Freitag, 14. August 2015
Nach der durchweg erfolgreich absolvierten Feld-und Recherchearbeit im Gelände mussten heute u. a. das gesamte Probenmaterial – teamweise – sortiert und überprüft werden. Ggf. wäre noch Zeit geblieben, Vergessenes oder Verlorenes erneut zu holen, aber das war nicht erforderlich.
Die Frühstückszeit wurde individuell festgelegt, es gab aber drei Geologenteams, die mit Frau Schauß und Herrn Fraedrich schon um 9:30 Uhr nach Catania fuhren, um dort Salvo wie verabredet im INGV zu treffen. Ziel dieses Bewuchs war die Bereitstellung von Hintergrundinformationen über Publikationen diverser Wissenschaftler. Gegen 11:00 Uhr ging es zunächst zurück nach Motta Sant’Anastasia.

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Blick auf die Altstadt von Motta Sant’Anastasia mit der Festung auf dem Vuilkanfelsen

Um 12:30 Uhr begann eine Freizeitphase – Baden im Mittelmeer oder Sightseeing entlang der Via Etnea. Wir fuhren alle erneut nach Catania hinein und stellten unsere Autos in der Nähe des INGV ab.
Von dort erkundete eine kleinere Gruppe mit Frau Gesthuisen Catanias >Shopping-Meile<, die größere Gruppe ging hinunter zu einer Bucht nördlich des Hafens, in der öffentlicher Badebetrieb möglich ist.

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Wohnen am Hafen, Tourismus und Badebetrieb in Catania
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Ein erfrischendes Bad im Mittelmeer kam bei 39 °C Lufttemperatur sehr gelegen
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Die Meeresbewohner lassen sich durch die Badenden kaum abschrecken, …
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… wie Lasses Unterwasserfotos zeigen
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Der Blick in Richtung Ätna >beruhigte<, denn auch heute wäre ein Besuch der Gipfelkrater nicht sinnvoll/möglich gewesen

Während die Schülerinnen und Schüler gut eine Stunde mit Schwimmen und Schnorcheln im Wasser verbrachten, wechselten sich Frau Schauß und Herr Fraedrich mit der Badeaufsicht ab, um aber auch wechselseitig das eine Schattenplätzchen zu nutzen, das es gab. Bei 39 °C Lufttemperatur und prallem Sonnenschein war dies eine angenehme Abwechslung.

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39 °C um 17:17 Uhr

Gegen 15:15 Uhr machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück zum INGV an der Piazza Roma 2. Boris empfing uns im Kontrollraum und erläuterte das gesamte Informationsspektrum, das die Vulkanologen rund um die Uhr am 365 Tagen im Jahr zu überwachen haben.

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Aufzeichnung der Aktivitäten in der Magmakammer des Ätna, die nur etwa 500 m unter dem Gipfel liegt, …
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… wie uns Boris an einer Karte erläutert

Gegen 17:00 Uhr gab es ein letztes Gruppenfoto auf der Eingangstreppe im INGV, das Boris obligatorisch von seinen Besuchergruppen macht (Foto folgt später).
Nach der Verabschiedung ging es zurück zum Hotel. Die Fahrzeuge wurden vollgetankt, es gab einen letzten Einkauf für den Grillabend auf der Dachterrasse, der um 22:15 Uhr nach dem gemeinsamen Abwasch und Aufräumen endete.

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Treffen der Vorbereitungen für den Grillabend

Einige mussten noch ihre Koffer packen, vor allem auch das wervolle Probenmaterial gut verstauen, … – denn der Löwenanteil der Arbeit steht mit allen Laboranalysen und dem Schreiben des Projektberichts ja noch bevor.

 

Samstag, 15. August 2015
Nach fast 1.020 gefahrenen Kilometern und mehreren Wanderungen am und rund um den Ätna hieß es heute Abschied nehmen von Sizilien und seinem über 3.300 m hoch aufragenden Vulkan, der uns eine Woche lang mit seinen vielfältigen Landschaften, seinen typischen Städten und Dörfern und seinen hilfreichen und liebenswürdigen Menschen beeindruckt hatte.

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1019,6 km in acht Tagen – wir sind viel herum gekommen

Auch wenn uns der Weg zur Gipfelregion aufgrund des Wetters verwehrt geblieben und der Vulkan nicht ausgebrochen ist, war es eine sehr erfolgreiche und in jeder Hinsicht beeindruckende Forschungsreise – wie alle anderen jedes Jahr seit 1996.

Der Tag begann mit dem Frühstück um 6:30 Uhr, die Koffer waren so gut wie gepackt, die Apartments aufgeräumt. Um 7:15 Uhr starteten wir Richtung Airport Catania Fontanarossa. Ohne Probleme und zügig konnten wir unsere Leihwagen zurückgeben und bei der Airline einchecken und um 9:50 Uhr startete unser A 319 mehr oder weniger pünklich in Richtung Hamburg. Nach einem letzten Blick auf den in Dunst gehüllten Ätna und die Küste Siziliens fielen die meisten von uns in den Schlaf.

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Auf dem Weg zum Start, im Hintergrund rechts der in Wolken gehüllte Ätnagipfel
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Blick zurück auf die Touristenzone südlich von Catania
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„Wachsende“ Gewitterwolken über dem Mittelmeer
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Schon um 12:20 Uhr landeten wir in Hamburg

Überpünktlich landeten wir in Hamburg – die meisten mit ein wenig Schlafdefizit, aber es ist ja erstmal noch Ferienzeit. Aber schon bald wird die Arbeit für die einzelnen Projekten fortgesetzt. Nun kommt die Laborarbeit, die je nach Projekt sehr unterschiedlich sein wird. Bis zum Wettbewerb im Februar 2016 bleibt noch eine Menge zu tun …