Romeo und Julia als szenischer Spaziergang

Da rieb sich der ein oder andere, der gerade aus der Sporthalle kam, verwundert die Augen: Zwei Schülergruppen beschimpfen sich wüst, ein Kampf findet statt, Minuten später liegen zwei Tote am Boden. Keine Sorge, alles nur gespielt: Zwischen Fahrradständer und Sporthalle  bekämpften sich am vergangenen Mittwoch die verfeindeten Familien der Capulets und Montagues aus Shakespeares Romeo und Julia. Der Theaterkurs 10/S2 inszenierte die wohl bekannteste Liebesgeschichte der Welt als Spaziergang, bei dem ausgewählte Szenen des Dramas präsentiert wurden.

Ergänzt wurden sie durch selbst geschriebene. So fetzten sich die Mütter der beiden Verliebten auf der Tischtennisplatte vor dem Pavillon, wurden die Zuschauer in einer Art „Nachrichtengasse“ über aktuelle Geschichten informiert, in denen Liebende auf unüberwindbare Hindernisse stoßen.
Das tragische Ende wurde natürlich nicht ausgespart: Im Keller des Doppel-H liegt in einem Meer von Kerzen die in einen todesähnlichen Schlaf versetzte Julia, Romeo glaubt sie tot, nimmt sich mit Gift das Leben. Julia erdolcht sich, als sie den Geliebten leblos neben sich findet. In einem Akt der Versöhnung reichen sich die verfeindeten Familien schließlich auf dem ehemaligen Kampfplatz in der Mitte des Schulgeländes die Hände…

Wenn man „Theater am anderen Ort“ macht, ist dies sowohl für die Zuschauer als auch für die Schauspieler zunächst gewöhnungsbedürftig. Die Distanz zwischen Zuschauerraum und Bühne ist aufgehoben, der Zuschauer wird Teil der Inszenierung, die Spieler spielen bei Tageslicht und sind im wahrsten Sinne des Wortes „bloßgestellt“. Reizvoll ist diese Form des Theaters vor allem deshalb, weil die Inszenierung vom Ort ausgeht und dieser dabei ganz neu entdeckt werden kann – auch das scheinbar so vertraute Schulgelände. Wenn einem das Wetter allerdings einen Strich durch die Rechnung macht, stößt das „Theater am anderen Ort“ schnell an seine Grenzen. So fiel die ursprünglich für Mai geplante erste Aufführung buchstäblich ins Wasser. Mittwoch passte dagegen alles: Gemordet, geliebt, getrauert, gespielt, gelesen und gesungen wurde bei Sonnenschein und gnädigen 20 °C.

Im Folgenden der Rudngang im Überblick und einige Szenen:

 

 

Katja Heumann