Klassenreisen nach Schönhagen – gestern und heute

Frau Dr. Hertel, unsere Abteilungsleiterin für die Beobachtungsstufe, scheidet als Altersgründen zum 31. Juli aus dem aktiven Schuldienst aus. Kurz vor den Sommerferien führte sie mit ihrer Klasse 6b ein letztes Mal eine Klassenreise durch, hier ihre Gedanken zu ihren Fahren nach Schönhagen:

Gestern: 1976 machte ich mit 38 (!) Sechstklässlern meine erste Klassenreise.
Die Freizeitanlage Schönhagen bestand damals aus Nur-Dach-Häusern mit jeweils einem großen Schlafraum, von dem in der Ecke ein „Séparée“ für die Lehrkraft abgeteilt war. Das war aber auch der einzige Luxus. Waschräume und Toiletten befanden sich in einem zentralen Gebäude.
Das Schlimmste – zumindest im Oktober: Es gab keine Heizung! Ich legte schon morgens eine frische Wärmflasche in mein Bett, damit es abends nicht so kalt und feucht war. Die Jungen meiner Klasse schliefen mit meinem Begleiter in einem anderen Haus. Da nicht alle Jungen in das Haus passten, mussten acht ausquartiert werden und sich das Haus mit einer anderen Klasse teilen. Dies sorgte gleich am ersten Morgen für Aufregung: Meine Jungen waren nachts von den älteren Schülern verprügelt worden und wollten nach Hause fahren. Gut, dass es noch keine Handys gab! Bei uns im Mädchenhaus hätte es genügend Platz gegeben, zumal die Mädchen wegen der Kälte zum Teil zu zweit in ihren Betten schliefen, aber eine gemischte Belegung wurde nicht erlaubt. Also musste der andere Lehrer seine prügelnden Jungs „einnorden“ – das hatte Erfolg.
Tagsüber liefen wir uns warm für die Nacht und ich überlegte mit den Mädchen, welche Streiche man den Jungen spielen könnte. Ansonsten erinnere ich mich nur noch daran, dass alle die Klassenreise überlebt haben: (Lücke) Ich war eine 25-jährige Anfängerin ohne jegliche Klassenreisenerfahrung, mein Begleiter ein Referendar, der die Klasse nicht kannte, und unsere 38 Kinder waren keine Zimmerpflanzen. Unser damaliger Schulleiter, Georg Kaiser, war jedoch Sportler und ein großer Optimist und so ging am Ende alles gut.

1996 war ich erneut mit einer 6. Klasse in Schönhagen: jetzt schon in Steinhäusern mit Heizung und deutlich mehr Komfort.

Juni 2012: Ich mache meine 71. (33 Klassenreisen, 33 Russland-Austauschreisen, 5 Projektfahrten) und letzte Klassenreise.
Demnächst werde ich mich dank angesparter Sabbatjahre aus dem Berufsleben zurückziehen können. Ich hatte das große Glück, dass meine Arbeit gleichzeitig mein Hobby war und freue mich dennoch auf weniger anstrengende Hobbies  in der Zukunft:

Auf dem letzten Marsch nach Damp habe ich gerade noch mit den Kindern mitgehalten, Streiche mochte ich aber nicht mehr aushecken und den Luxus des Betreuerapartments habe ich sehr genossen. Auch meiner Kollegin hat die schöne, moderne Anlage – vor allem die vielen Freitzeitmöglichkeiten außen – sehr gut gefallen.

E. Hertel