Iceland 2013

 

Unsere jüngste Forschungsreise hat uns vom 15.–22. Juni 2013 nach Island geführt. Das war nach 2000, 2002, 2008 und 2010 bereits die fünfte Forschungsreise, die eine Schülergruppe des Gymnasiums Heidberg nach Island führte.

Und hier nun die Tagesberichte:

Samstag, 15. Juni 2013

Vor dem Abflug im Terminal 2

Der Start in ein neues Forschungsabenteuer gelingt nahezu reibungslos. Alle sind pünktlich beim Treffpunkt am Flughafen, problemloser Check In und Security Check. Dann ein bisschen Startverzögerung, weil gerade ein schlechtes Wetter über den Flughafen zog und wir erst diese, dann jene und dann doch wieder diese Startbahn genommen haben. Dennoch kamen wir nach ruhigem Flug pünktlich um 16:40 Uhr Ortszeit (MESZ -2) in Keflavik (International Airport) an. Der Flug bot hier und da auch schöne Aussichten.

Landeanflug auf Island

Wer links saß, hatte einen prächtigen Blick auf die Inselgruppe Färöer, wer rechts saß, konnte Islands Gletscherwelt – wenn auch hier und da umhüllt von Wolken – genießen. Bei unserer Ankunft war der Himmel mehr oder weniger bedeckt, aber es war trocken und mit nur 9 °C zunächst ungewohnt kühl. Gepäck in Empfang nehmen, dem Zöllner deutlich machen, dass man keine Panzerfaust sondern aufgerollte Poster in der gesonderten Verpackung hatte, Bus anmieten und schon ging’s los Richtung Reykjavík, wo wir dann 45 min. nach unserer Abfahrt in Keflavík in unserem Hotel (Garður) ankamen. Dort bezogen wir nur kurz die Zimmer und 20 min. später ging’s zu Fuß ins Stadtzentrum zum gemeinsamen Abendessen. Zurück ging es auf einem anderen Weg, durch das Zentrum, hinauf zur Hallgrimmskirche und von dort wieder bergabwärts zum Hotel Garður. Um 22:00 Uhr Ortszeit ging es dann ins Bett, denn morgen beginnen die erste Forschungsarbeiten.

 

Sonntag, 16. Juni 2013

Heute startete nun das erste Forschungsabenteuer. Wir fuhren mit unserem Bus zunächst nach Westen, verließen die Schnellstraße nach Keflavík schon bald kurz hinter Hafnarfjördur, einer westlich vor Reykjavík gelegenen Stadt, und fuhren nach Krýsuvík.

Stopp auf der Passstraße am Kleifarvatn

Die teils befestigte, teils unbefestigte Straße durchquert die Halbinsel Reykjanes von Nord nach Süd und führt wie eine Berg- und Talbahn durch eine imposante Vulkanlandschaft und dabei teilweise entlang des Kleifarvatn (isl. Vatn = See), der – wie die Uferlinien zeigen – mehr und mehr Wasser verliert, weil durch eine während des Erdbebens im Jahr 2000 entstandene Spalte zunehmend Wasser in der Tiefe verschwindet – so, als hätte man den Stöpsel einer Badewanne herausgezogen. Bei der kleinen, seit Jahren aufgelassenen Bauernsiedlung Krýsuvík begann die eigentliche Arbeit, eine thermographische Erfassung des Hochtemperaturgebiets. Vorbei an zum Teil kochenden und geräuschvoll blubbernden Quellen und immer wieder hindurch durch einen übelriechenden Gasmix erfassten wir nicht nur das kleine touristisch erschlossene Gebiet (sozusagen das „Wohnzimmer“), sondern den gesamten Bereich bis auf weitere knapp 300 Höhenmeter nach oben.

Mudpools im Hochtemperaturfeld Krýsuvík
Temperaturmessung mit der Wärmebildkamera
Aufgelassene Siedlung Krýsuvík

So erwanderten wir alle „Nebenzimmer“, die zudem in den buntesten Farben schillerten. Zum Schluss erkundeten wir noch die kleine Siedlung. Korrodierende Gerippe alter Gewächshäuser und verwitternde Fundamentreste in einem der Quellbereiche zeugen davon, dass hier sich die hier lebenden Menschen einst mit Treibhauskulturen ihren Lebensunterhalt verdient haben. Vielleicht hat es sich aufgrund der abseitigen Lage wirtschaftlich auf Dauer nicht gelohnt, vielleicht wurden den Menschen nach dem Erdbeben aber einfach auch „der Boden zu heiß unter den Füßen“, denn der hat in dieser Region die vulkanischen Aktivitäten wieder sehr viel stärker werden lassen.

Mit total nassen und schmutzigen Wanderschuhen ging‘s zurück nach Reykjavík. Das geplante Baden in einem der heißen (Frei-)Bäder fand nicht statt, das eine ist durch vorübergehende Reparaturarbeiten geschlossen, die beiden anderen standen kurz vor’m Feierabend. Also fuhren wir hinaus zu einer kleinen warmen Quelle direkt an der Küste vor Reykjavík und badeten dort mit unseren Füßen und ließen durch die vielen Gespräche den ersten interessanten Forschungstag ausklingen. Müde ging es dann um 21:30 Uhr zurück ins Hotel.

 

Montag, 17. Juni 2013

Heute war der zweite Tag, an dem für ein weiteres Forschungsprojekt geforscht werden musste. Der Weg mit unserem Bus führte uns zunächst bis Keflavík, dort ging es dann weiter nach Süden in die südwestliche Region der Halbinsel Reykjanes. Dieses Gebiet ist besonders stark von Störungen durchzogen und hier verläuft auch der Zentralgraben des Mittelatlantischen Rückens – der von einer Brücke überquert wird, auf der man – geologisch betrachtet – von Europa nach Nordamerika geht.

Auf der Brücke, die die Eurasische mit der Nordamerikanischen Platte verbindet

Auf der „europäischen Seite“ begannen dann auch die Untersuchungen. Zahlreiche Schlackenkegel, alle perlenschnurartig aneinandergereiht, und diverse einzelne Lavaströme mussten beprobt werden, um später an Hand mineralogischer und petrographischer Analysen Aufschluss über die zeitlich zurück liegende Eruptionstätigkeit in dieser Region zu bekommen.

Schlackenkegel im Vulkangebiet im Südwesten der Halbinsel Reykjanes

Weitere Stopps – allerdings nur zur Information bzw. um die beeindruckende Landschaft kennen zu lernen – machte wir am Hochtemperaturfeld Gunnuhver und an der Blauen Lagune, um dort einmal sehen zu können, wie intensiv die touristische Vermarktung der Blauen Lagune erfolgt. Der Abend wurde mit einem Stadtbummel durch die Altstadt von Reykjavík abgerundet, um 21:30 Uhr war dann Bettruhe.

 

Dienstag, 18. Juni 20123

Heute begann das Frühstück eine halbe Stunde früher, denn wir mussten unser Quartier in Reykjavík (Hotel Garður) erstmal wieder verlassen, weil es ins nächste Forschungsgebiet rund um den Vulkan Snæfellsjökull ging. 230 km Fahrtstrecke entlang der isländischen Südwestküste waren zurückzulegen, etwa auf halber Strecke wurde am Vulkan „Eldborg“ geforscht.

Stopp auf der Fahrt nach Arnarstapi: Vor den Wasserfällen des Langá-Flusss westlich von Borgarnes
Der Krater „Eldborg í Hnappada“, Islands wohl eindrucksvollster Schweißschlackenkegel

Hier hat es in historischer Zeit einen gewaltigen Ausbruch gegeben, bei dem nicht nur ein ausgedehntes Lavafeld und eine Reihe von Schlackenkegeln entstanden ist, sondern vor allem – als jüngstes ‚Produkt‘ – ein so genannter Schweißschlackenkegel mit extrem steiler äußerer Kraterwand und noch steileren und sehr tief hinab reichenden Kraterinnenwänden. Petrographische und mineralogische Untersuchungen werden Aufschluss über den Ablauf der Eruption geben. Den Vulkan erreichten wir, ausgehend von einer kleinen Farm, in einer knapp einstündigen Wanderung, dort wurden alle Krater beprobt. Nach der Rückkehr zu unserem Bus ging es weiter, bis Arnarstapi waren noch knapp 100 km zurück zu legen. Um 16:00 Uhr kamen wir dort an, bezogen nur schnell die Zimmer im Hotel Snjofell Arnarstapi, um dann gleich noch einmal einige Kilometer weiter in die kleine Siedlung Hellnar zu fahren, in der wir eine Ausstellung zur Geschichte, Geologie sowie Flora und Fauna der Snæfellregion besichtigt haben.

Gruppenfoto im kleinen Ausstellungszentrum in Hellnar

Von dort ging es, inzwischen bei Sonnenschein (aber starkem Wind), entlang der Küste weiter zum Leuchtturm Malarif, von dem aus – an einer ‚malerischen Bucht‘ gelegen – einen herrlichen Blick auf den Vulkan möglich ist, doch der verhüllte seinen Gipfel noch mit Wolken.

Der Leuchtturm von Malarif (im Hintergrund der wolkenverhangene Vulkan Snæfell)

Zurück in Arnarstapi genossen wir das Dinner (Soup and The Fish of the Day). Der Abend klang mit Gesellschaftsspielen aus, um 22:30 Uhr war Bettruhe.

 

Mittwoch, 19. Juni 2013

Mit dem heutigen Tag kam erstmals die Sonne für längere Zeit hinter den Wolken hervor. Sogar der Gipfel des Vulkans Snæfelljökull ließ sich immer wieder mal blicken. Bereits morgens bei der Abfahrt ins Exkursionsgebiet (westliches Snæfellsplateau) hatten wir strahlend blauen Himmel – dies setzte sich den ganzen Tag über fort.

Der Gipfel des Vulkans Snæfellsjökull (von Süden aus gesehen)

Heute stand die Untersuchung von diversen Schlackenkegeln auf dem Programm, die im Idealfall jeweils im Innenbereich und von unten nach oben beprobt werden mussten, was auch in fast allen Fällen gelang. Verbunden mit der direkten Geländearbeit waren stets kleine Wanderungen zu den Kratern und auf und in die Krater.

Auf dem Kraterrand des Rauðhöll-Kraterkomplexes

Nach getaner Arbeit ging es dann am Nachmittag – hinweg über fast 7 km Schotterpiste – zur äußersten Nordwestspitze des Vulkanplateaus bei Öndverðarnes, von wo aus Wale zu beobachten sind. Diese schienen auf uns regelrecht gewartet zu haben und tauchten – allerdings in etwas größerer Entfernung – immer wieder auf.

Whale Watching an der Küste bei Öndverðarnes
„Schaulaufen“ eines der vielen Orkas (Schwertwale)

Nach dem Abendessen gab es den Rundgang durch Arnarstapi, an den Klippen entlang bis zum Fischereihafen und zurück zu unserem typisch isländischen Hotel „Snjófell Arnarstapi“.

 

Donnerstag, 20.Juni 2013

Der heutige Tag bot für die Feldarbeit wieder hervorragende Voraussetzungen. Es war „heiter bis wolkig“, kaum windig und 13 °C warm – für Island schon ausgesprochen gutes Wetter.

Ein Kratersee verlandet

Von unseren fünf Projekten stand heute die Feldarbeit für das fünfte Projekt an. Ziel war es, zahlreiche kleinere, mehr als 8.000 Jahre alter Krater bzw. Kratersysteme zunächst von exponiert höherer Stelle aus zu erfassen, hinsichtlich ihrer Lage (zueinander) zu skizzieren und zu beschriften. Anschließend ging es ins Gelände nach unten und jeder Krater wurde von seiner Größe (Durchmesser) her vermessen und für jedes der Kratersysteme wurde eine Gesteinsprobe für weitere Analysen entnommen. Dass die Arbeit in der Kraterfeldern hier nicht so einfach war, weil die Orientierung immer anders ist, wenn man „mittendrin“ steht und weil sie schon über Tausende von Jahren hinweg überformt worden sind (entsprechende Spuren findet man im Gelände!), mussten wir leidvoll feststellen. Und dennoch: Mit Mühe und Geduld kommt auch hierbei ans Ziel. Die Arbeit zu diesem Projekt soll Auskunft darüber geben, was damals genau geschehen ist, um somit den Vulkanismus in der Snæfellregion noch besser verstehen zu können.

Am Nachmittag ging‘s zurück nach Arnarstapi. Dort wurden dann auch alle bisherigen Geländearbeitsprotokolle „ins Reine übertragen“ und die bis hierhin erarbeiteten Ergebnisse doppelt gesichert.

Sicherung von Geländearbeitsergebnissen

Nach dem Abendessen ging es recht bald aufwärts in Richtung Snæfellsjökull. Zum einen mussten an zwei weiteren, sehr viel höher gelegenen Schlackenkegeln Proben genommen werden und zum anderen ging’s hinauf zum Gipfel. Unser Hotelwirt bietet an, vom Gletscherrand aus mit einer Pistenraupe bis zum Gipfelplateau hinauf zu fahren, um von dort aus einen perfekten Rundumblick genießen und dabei rund 100 km weit sehen zu können und um sowohl der Mitternachtssonne als auch dem zunehmenden Mond etwas näher zu sein.

Späte Abendsonne über dem Nordatlantik – Blick vom Gipfelplateau des Vulkans Snæfellsjökull
Auf dem Gipfelplateau des Vulkans Snæfellsjökull

Müde und mit unglaublichen Eindrücken von einer faszinierenden Naturlandschaft ging es wieder abwärts – zunächst mit der Pistenraupe die erste 700 Höhenmeter, dann mit unserem Bus die nächste Etappe mit weiteren 700 Höhenmetern.

Auch heute war es wieder ein Tag mit vielen Eindrücken und vor allem auch dem gewünschten Erfolg bei der Projektarbeit.

 

Freitag, 21. Juni 2013

Heute, nach getaner Arbeit in den letzten fünf Tagen, ging es von Arnarstapi aus wieder zurück nach Reykjavík, allerdings mit einem kleinen Umweg, da wir die so genannte „Golden Circle-Tour“ noch mit einbezogen haben – Þingvellir, Geysirfeld im Haukadalur und den Wasserfall Gullfoss. Hierbei handelt es sich um jene geologische „highlights“, die für jeden Islandbesucher zum „Pflichtprogramm gehören“.

Blick auf die kleine Siedlung Þingvellir im Scheitelgrabensystem des Mittelatlantischen Rückens
Eruption des „Strokkur“ im Geysirfeld des Haukadalur
Gullfoss – der „Goldene Wasserfall“ Islands

Um 17:30 Uhr erreichten wir wieder das Hotel Garður, um 19:00 Uhr sind wir ins geothermal beheizte Freibad Laugardalslaug gefahren, um uns dort in den verschiedenen heißen Pools von der Arbeit der letzten Tage und der heutigen Fahrt zu entspannen.

Anschließend ging es dann noch einmal zu Fuß in die City zum gemeinsamen Abendessen (Pizza, Pasta, Burger).

Der Tag klang aus mit einer kurzen Fahrt in den Nordwesten Reykjavíks, um dort um kurz vor Mitternacht die Sonne untergehen zu sehen und noch einmal einen Blick auf den rd. 120 km Luftlinie entfernten Vulkans Snæfellsjökull zu werfen, auf dem wir noch am Abend zuvor gestanden hatten.

Der Vulkan Snæfell, von Reykjavík aus gesehen
Gruppenfoto um Mitternacht der Mittsommernacht

Samstag, 22. Juni 2013

Heute hieß es Abschied von Island nehmen. Nach der kurzen Nacht („sunset at midnight“, Hochladen neuer Berichte und Fotos) gab es um 8:30 Uhr das Frühstück. Um 9:30 Uhr wurden die Koffer gepackt, zugleich musste der Innenraum unseres Autos noch gereinigt werden.
Um 10:30 Uhr fuhren wir hinauf zur Hallgrimmskirche, von deren Turm man einen phantastischen Rundblick über Islands Hauptstadt hat, der umso eindrucksvoller ist, wenn – wie heute – die Sonne scheint und die Fernsicht gut ist.

Blick von der Hallgrimmskirche auf einen Teil des Stadtzentrums von Reykjavík

Nachdem alle Eindrücke digital gespeichert waren, folgte ein Einkaufsbummel durch das Zentrum Reykjavíks. Mitbringsel wurden gekauft, mitunter mussten einfach auch die letzten Kronen der isländischen Wirtschaft noch zugeführt werden. Um 12:00 ging es dann weiter zu Reykjaviks Wahrzeichen Perlan.

Perlan, der Warmwasserspeicher Reykjavíks

Auf den sechs überdimensionalen Heißwassertanks, aus denen die Hauptstadt mit heißem Wasser versorgt wird, ist eine rundum begehbare Aussichtsplattform, die eine Glaskuppel umsäumt. Auch von dort genossen wir noch einmal den Blick auf die Stadt und in die Ferne und fotografierten uns als Gruppe ein letztes Mal.
Schließlich fuhren wir zum Flughafen Keflavík, mussten vorher allerdings das Fahrzeug noch auftanken und haben es auch noch einmal von außen grob gereinigt.
Der Check in klappte weitgehend problemlos, es mussten nur einzelne Gegenstände von zu schweren in leichtere Koffer „umgeparkt“ werden.
Um 17:20 Uhr starteten wir pünktlich in Keflavík Richtung Hamburg, landeten nach ruhigem Flug um 22:15 Uhr sogar schon 20 min. vor der planmäßigen Ankunft in Hamburg.

Kurz nach dem Start: Blick auf das Flughafengelände von Keflavík

Eine in jeder Hinsicht eindrucksvolle Projektreise war zu Ende und (fast) jede(r) von uns geht nun in die wohlverdienten Sommerferien. Nur Neli, unsere studentische Begleitung, muss sich in den nächsten Wochen noch den Semesterabschlussprüfungen stellen.

 

Das Gruppenfoto zum Abschied:

v. l.: Neli Heidari (Lehramtsstudentin Universität Kiel), Muska Ahmadsei (9b), Alina Kröger (9b), Kim Bredemeyer (S 2), Florentine Mostaghimi-Gomi (10b), Ole Keim (10a), Wolfgang Fraedrich (Betreuungslehrer), Lasse Keim (8a)

 

Wir danken

dem Icelandic Institute for Natural History, hier insbesondere Herrn Kristján Jónasson, für die Erlaubnis, Probenmaterial für die Laboranalysen zu bergen und auszuführen,

unseren Förderern und Sponsoren, die unsere Projektreise finanziell und logistisch unterstützt haben: