Crete Island 2016

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Im Rahmen der einwöchigen Forschungsreise im Jahr 2016 arbeiteten sechs Jungforscherinnen unter der Anleitung ihrer beiden betreuenden Lehrkräfte Mareike Schauß und Wolfgang Fraedrich auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta.
Die Reise fand im Zeitraum 22.–29. Juli 2016 statt, im Mittelpunkt der Forschungsarbeit standen Projekte in den Bereichen Plattentektonik/Petrographie/Mineralogie, Paläontologie und Geoökologie auf dem Programm.

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Das Team Kreta 2016 (v. l.): Wolfgang Fraedrich (Betreuungslehrer), Emilie Schuller (S 2/Geo-Profil), Mariam Manukjan (S 2/Geo-Profil), Alexandra Widder (10b), Elisabeth Gläser (10b), Katharina Kienitz (10d), Sibel Demirbaga (10d), Mareike Schauß (Betreuungslehrerin) – die Klassenangaben beziehen sich auf das Schuljahr 2015/2016

 

Freitag, 22.Juli 2016

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Das erste Gruppenfoto im Terminal 1

Pünktlich um 5:15 Uhr hatte sich das Team Kreta 2016 am Terminal 1 des Hamburger Flughafens eingefunden. Nach dem Check In, einem ersten Gruppenfoto und dem Sicherheitscheck hatten wir noch etwas Zeit, bis der A 320 mit der Flug-Nr. AB 3480 (Air Berlin) nach Heraklion um 7:30 Uhr abhob.
Über Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Mazedonien und das griechische Festland, auch vorbei an Athen, ging es dann zum Landeanflug nach Heraklion, der größten Stadt auf Kreta.

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Blick auf Athen

 

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Im Anflug auf Heraklion

Pünktlich um 11:30 Uhr (Ortszeit, Differenz zu Hamburg + 1 Std.) landete unser Flugzeug.
Schon bald hatten wir das Gepäck und unser Leihfahrzeug und wir konnten die 22 km bis nach Piskopiano fahren, wo wir in den Kokkinakis Apartments untergebracht sind. Piskopiano liegt am Hang oberhalb von Hersonissos, die Apartmentanlage liegt etwas abseits einer kurvenreichen Straße, die Ein-und Ausfahrt auf die Hofanlage ist mit dem 9-Sitzer-Van jedesmal Millimeterarbeit.

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Blick auf unsere Apartments

Um 13:00 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht. Nach dem Check In und einer kurzen Verschnaufpause gingt es dann zum Großeinkauf in einen Supermarkt in Hersonissos: Getränke und allerlei Snacks fürs Frühstück und die nächsten Arbeitstage. Frau Schauß und Herr Fraedrich mussten dann zunächst noch einmal zum Flughafen zurück, der Transponder am Autoschlüssel funktionierte nicht, wir konnten unseren Van nicht abschließen. Das Problem konnte vor Ort aber in 10 min. gelöst werden.

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Der Van nach getaner Arbeit

Zurück in Piskopiano ging es dann um 17:00 Uhr noch an den Strand (Potamos Beach) bei Malia, etwa 10 km östlich von Hersonissos. Das Bad in der Meeresbrandung war erfrischend und tat nach dem Tag mit strahlend blauem Himmel und ca. 30 °c. gut.

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Panorama der Potamos Beach

Um 20:15 Uhr ging es dann zum gemeinsamen Abendessen in eine Taverne nahe unserer Apartments. Für 22:00 Uhr war die Nachtruhe angesagt.

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Blick auf den beleuchteten Hausberg

 

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Der aufgehende Mond am Nachthimmel

 

Samstag, 23. Juli 2016

Heute war es der wohl längste und anstrengendste Arbeitstag, einfach deswegen, weil wir ganz in den Westen der Insel Kreta gefahren sind. Und es war ein Tag mit erneut strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 32 °C zur Mittagszeit.

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Gruppenfoto vor den Tonmergelkegeln in Potamida

Zwei geologisch wichtige Punkte waren auf dem Programm, einmal die aufgelassenen Tonmergelgruben von Potamida und zum anderen die Fundstelle des auf Kreta gefundenen fossilen Zwergflusspferdes. Das Zwergflusspferd ist bei den aktuell auf Kreta laufenden vier Projekten allerdings kein Thema, aber Florentine und Ole, die bei Forschungsreisen nach Zypern 2014 und 2015 dort ein fossiles Zwergflusspferd gefunden und intensiv untersucht haben (vgl. u. a. hier), bekommen durch den Vergleich mit dem Fossil und dem Fundort auf Kreta eventuell weitere Anhaltspunkte, um ihr Projekt – nun aber nicht mehr für Jugend forscht – abschließen zu können. Am Abend konnten wir feststellen: Der Tag hat sich gelohnt, die weite Anreise war es wert.

Nach dem Frühstück ging es um 9:10 Uhr los. Mit zwei kurzen Stopps erreichten wir nach etwas mehr als 200 km Fahrtstrecke und dreieinhalb Stunden Fahrzeit Potamida. Dort haben alle Ausschau nach Fossilien gehalten, überwiegend Schnecken. Die Funde waren reichlich. Ihre Untersuchung im Labor und die des umgebenden Sediments wird dazu beitragen, die Lebensumstände dieser Tiere zu entschlüsseln.

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Blick auf die Tonmergelkegel

 

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Schnecke im Tonmergel

Auf dem Rückweg kam dann der Abstecher auf die Halbinsel Acra Drapanon. Nördlich des kleinen Ortes Plaka wurden die Straßen immer schmaler. Wir verzichteten auf die Fahrt auf einer Schotterpiste zur Bucht, gingen die gut 500 m lieber zu Fuß. Um 16:00 Uhr waren wir dort vor Ort. Die Fundstelle war leicht zu finden, allerdings – da sie über die Literatur bekannt ist – nicht mehr gut erhalten, sondern kommt eher einem Steinbruch gleich, in dem nur noch wenige fossile Reste erhalten sind. Wichtig ist für Florentine und Ole allerdings vor allem das Aussehen der Umgebung der Fundstellen an sich und die Beschaffenheit des Sediments, in dem die fossilen Reste eingebettet sind. Und gerade hier gibt es deutliche Unterschiede zur Fundstelle auf Zypern. Die Laboruntersuchungen des umgebenden Sediments werden weitere wichtige Aufschlüsse für das Projekt ergeben.

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Blick auf die Reste einer Kieferleiste des Zwergflusspferdes

 

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In diesem Kalkstein bildete sich durch die Lösungsverwitterung einst eine Höhle

 

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Blick aus der unteren Höhlenöffnung auf das Mittelmeer

Damit war das Tagesprogramm im Gelände für heute erledigt, gegen 17:30 Uhr traten wir die Rückfahrt an. Nach einem kurzen Einkaufsstopp im kleinen Ort Almirida fuhren wir wieder auf die Küstenstraße und erreichten kurz vor Sonnenuntergang gegen 20:45 Uhr und nach insgesamt 417 km Fahrtstrecke unsere Apartments.
Vor dem Abendessen war nur noch das Händewaschen angesagt. Durchgeschwitzt und mit schweißnasser Kleidung gingen wir zum Abendessen in ein nur 200 m entfernt liegendes Restaurant. Bettruhe war dann für die meisten gegen 24:00 Uhr.

 

Sonntag, 24. Juli 2016

Um bei den Tagestemperaturen von > 30 ° C die Fahrtwege mit dem Auto, dessen Klimaanlage zwar funktioniert, aber gefühlt nur die heiße Luft quirlt, im Wechsel mal länger und mal kürzer zu haben, stand heute ein Programm an, bei dem wir in der Nähe unseres Standortes in Piskopiano gearbeitet haben.
Nach dem Frühstück ging es heute um 10:00 Uhr los nach Gouves, einem kleinen Ort nur etwa 10 km südwestlich von Piskopiano. Dort standen in zwei verschiedenen Aufschlüssen fossile Schnecken und Muscheln auf dem Programm. Ziel des Projekts wird es sein, die verschiedenen Arten nicht nur zu bestimmen, sondern über deren Analyse (im Labor) Rückschlüsse auf den Lebensraum in der damaligen Zeit zu ziehen und gleichzeitig Informationen über die Transport- und Sedimentationsbedingungen des umgebenden Sediments zu erschließen. Damit wird auch ein Teil der Entwicklungsprozesse, die zur Insel Kreta geführt haben, nachgezeichnet.

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Sibel und Frau Schauß an der Aufschlusswand

 

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Muschel im Aufschluss

 

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Panorama des Aufschlusses Gouves I

Im Anschluss daran hat ein weiteres Projektteam direkt westlich von Hersonissos an einem weiteren Tonmergelaufschluss gearbeitet.

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Panorama des Aufschlusses bei Hersonissos

 

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Alexandra und Elisabeth arbeiten an der Aufschlusswand

Auch durch den Vergleich mit den tags zuvor bei Potamida gefundenen Fossilien wird ein Einblick in das vorzeitliche Leben in der Region, die heute Kreta ist, nachgezeichnet.
Gegen 14:00 Uhr waren wir wieder zurück in den Apartments, Schatten und ein kleiner Snack zwischendurch waren sehr willkommen.
Nach einer einstündigen Pause sichteten die Fossilien-Teams ihre Funde, sortierten sie nach Arten und verpackten sie bereits für den Transport. Zwei Rollen Toilettenpapier dienten als Puffer in stabilen Kästen, die auch in den Koffern die Funde nicht zerbrechen lassen werden.
Um 16:30 Uhr ging es noch einmal zu dem Aufschluss westlich Hersonissos. Die Wand musste bzgl. ihrer Strukturen (Stratigraphie) erfasst, gezeichnet und anschließend vermessen werden. Mit einem Lasermessgerät wurden an drei verschiedenen Stellen die Entfernungen zur Basis und zur Oberkante ermittelt, um daraus mithilfe des Satzes des Pythagoras die jeweilige Höhe errechnen zu können. Nach 45 min. war die Arbeit erledigt und es ging weiter nach Heraklion. Dort parkten wir unser Fahrzeug am Hafen und machten anschließend einen Stadtbummel – ganz individuell in kleinen Gruppen.
Um 19:00 Uhr trafen wir uns zum Abendessen. Gegen 21:00 Uhr verließen wir das Restaurant, gingen zurück zum Hafen und machten dort auch das obligatorischer Gruppenfoto des Tages.

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Blick auf das Hafenbecken von Heraklion
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Gruppenfoto am Hafen von Heraklion

Nach der knapp halbstündigen Rückfahrt waren wir um 22:00 Uhr wieder zurück in unseren Apartments. Nach und nach begann die Nachtruhe, denn am Montag wird wieder eine längere Tour zur Südküste folgen.

 

Montag, 25. Juli 2016

Heute ging’s um 9:00 Uhr wieder auf große Fahrt. Die geologischen Strukturen im Bereich der Damnoni-Bucht östlich von Plakias waren unser Ziel, das etwa 140 km von Piskopiano entfernt an der Südküste Kretas liegt. Die Temperaturen lagen wieder über 30 °C, es war wieder strahlend blauer Himmel, aber es wehte ein starker Fallwind von den über 2000 m hohen Bergen des zentralen Kreta aufs Meer hinaus, der in Böen Windstärken von 7–8 bft erreichte und uns die Arbeit im Gelände doch etwas erschwerte. Letztlich haben wir aber alles problemlos geschafft.
Gegen 11:30 Uhr hatten wir das Exkursionsziel erreicht und machten uns an die Arbeit. Natürlich bot sich auch die Möglichkeit zum Sonnenbad und/oder zum Bad im Meer, andere dagegen suchten den Schatten unter Bäumen.

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Blick über eine kleine Bucht neben der (größeren) Damnoni-Bucht

Heute standen Kalksteine und schieferige Metamorphite auf dem Programm, allerdings älter als all jene Gesteine, die wir bisher untersucht und beprobt haben. Auch die Kalke sind fossilreich und die Analyse der Fossilien wird ebenso Einblick in den vorzeitlichen Lebensraum geben wie bei anderen Projekten auch.

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Nummuliten – winzige Meereslebewesen als gut erhaltene Fossilien

 

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Auch Muscheln sind in den Kalken zu finden

Darüber hinaus mussten die Strukturen der Aufschlusswände erfasst werden, weil diese markanten Spuren der plattentektonischen Vorgänge offenbaren. Kretas Südküste ist nahezu identisch mit der Grenze zwischen der Afrikanischen und der Eurasischen Lithosphärenplatte und hier, südlich von Kreta, gibt es immer noch eine Subduktion, also ein Abtauchen schwererer ozeanischer Kruste der Afrikanischen Platte. Man kann vielerorts auf Kreta, so eben auch hier, die gewaltigen Kräfte, die die Insel prägen, sehr gut nachvollziehen.

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Einer der für Kreta typischen Aufschlüsse – für den Laien ist er eher ein banaler Steinhaufen, für Geologen liefert er mehrere Seiten eines Kapitels der Erdgeschichte

 

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Emilie und Mariam beim Beproben des Gesteinsmaterials

Nach einer Snackpause in einem keinen Strandcafé, „musikalisch untermalt“ von den Geräuschen der Zikaden (vgl. hier), ging es dann etwa gegen 14:30 Uhr zurück nach Piskopiano, zunächst wieder quer über die Insel nach Norden bis in die Nähe von Rethymno und dann über die zum Teil vierspurige und in vielen Kurven, Steigungen und Gefälleabschnitten verlaufende „Main Road“ nach Osten an Heraklion vorbei bis nach Piskopiano, wo wir um 17:00 Uhr eintrafen.

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Eine Zikade – sie machen einen gut hörbaren „Lärm“

 

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Blick aus dem Auto heraus auf die „Main Road“ entlang der Nordküste

In den nächsten zwei Stunden war Erholung angesagt, dann ging es zum gemeinsamen Abendessen und am Abend noch zu einem Bummel über die „Touri-Meile“ entlang der Küstenstraße.

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Warten auf das Abendessen

 

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Das Shopping ist beendet

Um 22:30 Uhr waren wir wieder in den Apartments zurück, um 23:00 Uhr war Bettruhe.

 

Dienstag, 26. Juli 2016

Nach einem wieder ausgiebigen Frühstück starteten wir heute um 9:30 Uhr, einem Tag mit insgesamt etwas weniger zu fahrenden Kilometern. Um dem Ansturm der Touristen zuvor zu kommen, begann unser Programm mit der Fahrt auf die viel besuchte Lassithi-Hochebene, eine flache Hochebene südöstlich von Hersonissos auf etwa 800 m Meereshöhe. Die von Kalksteinbergen umsäumte Hochebene wird landwirtschaftlich intensiv genutzt (Getreide- und Gemüseanbau), das Wasser für die nötige Bewässerung wird über das Grundwasser gewonnen, das sich vornehmlich aus der Schneeschmelze der zum Teil über 2000 m hohen Berge speist.

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Blick über die ca. 800 m hoch gelegene Lassithi-Hochebene

 

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Restaurierte Windmühlen am Rande der Lassithi-Hochebene

 

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Kurze Pause nach der Höhlenbesichtigung

 

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Auf dem Weg von der Tropfsteinhöhle hinunter zum Parkplatz

Oberhalb der Ortschaft Psychro liegt eine der bekanntesten Tropfsteinhöhlen Kretas, in der der griechischen Mythologie nach Zeus geboren worden ist. Wir haben die Höhle selbstverständlich besichtigt.
Nach einer kurzen Verschnaufpause mit Eis und Fruchtbechern führte die Fahrt zunächst auf der um die Ebene herumführenden Straße weiter, bis wir die Abzweigung nach Agios Nikolaos erreichten. Von dort ging es auf einer insgesamt sehr gut befahrbaren, sich in vielen Serpentinen windenden Straße wieder hinunter zur Küste, zunächst nach Agios Nikolaos, wo wir einen kurzen Einkaufstopp machten.
Etwa gegen 14:00 Uhr ging es von dort aus weiter bis kurz vor Pahia Ammos (noch weiter östlich), wo ein weiterer Aufschluss mit Meeresfossilien untersucht worden ist. Nach getaner Arbeit führte der Rückweg über die „Main Road“ zurück nach Piskopiano, wo wir um 17:00 Uhr ankamen.

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Das Gruppenfoto vom 26. Juli

 

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Blick über das Hochland von Zentralkreta

 

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Fossile Muscheln in mehrere Millionen Jahren alten Meeressedimenten

 

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Blick auf eine der malerischen Buchten entlang der Küste Nordkretas

Mit Sibel ging es dann noch einmal nach Gouves, um den am Berghang liegenden ca. 100 m langen Aufschluss genauer zu vermessen und seine geologischen Strukturen zu skizzieren.

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Sibel als Höhenmaßstab für den eigenen Aufschluss

Um 19:00 Uhr bekam dann Katharina noch einige Vorinformationen für die Arbeit im Gelände am folgenden Tag. So wurden die einzelnen Arbeitsschritte besprochen und die inhaltlichen Grundlagen für das Verständnis komplexer Faltenstrukturen erarbeitet.
Um 19:30 trafen wir uns, um zum gemeinsamen Abendesse zu gehen, schließlich waren wir um 22:15 Uhr in unseren Apartments zurück. Die Bettruhe begann für die meisten gegen 23:00 Uhr, denn morgen würde wieder einer der anstrengenderen Tage folgen.

 

Mittwoch, 27. Juli 2016

Heute war die letzte der drei großen Touren angesagt. Es ging wieder an die Südküste nach Agios Pavlos. Start war wieder um 9:00 Uhr. Nach einer Fahrt von fast drei Stunden erreichten wir – auf den letzten 11 km über eine eher abenteuerliche (weil schmale und nur zum Teil durch Leitplanken gesicherte) Straße, auf der man froh ist, wenn kein Auto entgegen kommt – sicher unser Ziel, eine kleine Bucht. Nach der langen Fahrt gab es zunächst im Schatten eines Cafés eine kleine Erfrischung, bevor wir den kurzen Aufstieg zur wohl berühmtesten Faltenstruktur Europas antraten.

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Panoramablick auf die Bucht bei Agios Pavlos

 

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Die berühmten Faltenbögen von Agios Pavlos

Katharina, Frau Schauß und Herr Fraedrich waren dann diejenigen, die sich an die Arbeit machten. Der Aufschluss wurde dann Schritt für Schritt untersucht, um aus allen Detailergebnissen einen Einblick in die Entstehung der Gesteinsschichten und ihre Lagerung zu bekommen. Gewaltige Naturkräfte, ausgelöst durch die Norddrift der Afrikanischen Lithosphärenplatte, haben hier gewirkt und scheinbar ohne großen Aufwand Teile der Erdkruste einfach zusammengeschoben, als wären die harten Sedimente ein gestärktes Tischtuch. Nach gut drei Stunden, ständig in der prallen Sonne und bei einer Schattentemperatur von 34 °C, war die Arbeit systematisch und komplett erledigt. Durstig, verschwitzt und verklebt ging es wieder hinunter zum Café, wo wir uns wieder alle eingefunden hatten.

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Katharina bei der Geländeaufnahme

 

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Die Rückseite des Faltenaufschlusses als Ausdruck der plattentektonischen Dynamik

 

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Wer nicht im Gelände arbeiten musste, nutzte zum Beispiel die Zeit zum Lesen

 

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Das Gruppenfoto vom 27. Juli

Nach dem traditionellen Gruppenfoto ging es in das heiße Auto und gegen 16:00 Uhr wieder zurück. Um 18:20 Uhr waren wir bereits wieder bei den Apartments.
Zum Abendessen trafen wir uns um 20:00 Uhr. Gegen 22:00 Uhr waren wir wieder zurück und gingen auf die Zimmer.

 

Donnerstag, 28. Juli 2016

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Geländearbeit am Vortag stand heute zunächst ein Kulturprogramm an. Um 10:00 Uhr ging es los nach Knossos, heute eine kleine Stadt unmittelbar südlich von Heraklion. Es ist allerdings nicht die moderne Stadt, die unser Interesse weckte, sondern es sind die Ausgrabungen des antiken Knossos. Hier hatte sich bereits in der Jungsteinzeit, also rund 2000 Jahre vor Christus, eine Hochkultur entwickelt. Über mehrere Jahrhunderte hinweg entwickelte sich Knossos zu einer der bedeutendsten Städte jener Zeit und zugleich des ganzen Mittelmeerraums, in der Blütezeit lebten dort ca. 100.000 Menschen.

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Blick nach Nordosten über die Ruinen im Nordwesten der Ausgrabungsstätte

 

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Der ehemalige Nordeingang des Knossos-Palastes
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So könnte die Palastanlage einst ausgesehen haben, © hier

 

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Restaurierte Tonkrüge

 

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Gruppenfoto im Südhaus

Mehrfach suchten die Stadt Naturkatastropen heim, zuletzt Mitte des 15. Jahrhunderts vor Christus, als eines der stärksten Erdbeben in Verbindung mit einem Tsunami die damalige Stadt zerstörte (vgl. hier). Schätzungen zur Folge hat eine 28 m hohe Flutwelle die Nordküste Kretas und das Leben dort vollständig zerstört. Die jüngsten Tsunamikatastrophen im Indischen Ozean (Indonesien, Thailand etc. am 25. Dezember 2004, vgl. hier) und Japan (Fukushima am 11. März 2011, vgl. hier) waren quasi nichts dagegen. Es war der Beginn des Untergangs der minoischen Kultur. Wir erschlossen uns die seit 1900 angelegte Ausgrabungsstätte in kleineren Gruppen.
Nach einer kurzen Snackpause ging es anschließend wieder zurück in Richtung Osten, doch schon bald nach Heraklion verließen wir die „Main Road“ und fuhren hinunter zum Strand von Karteros. Einige nutzen die Gelegenheit zum Bad in der Brandung, andere schalteten einfach nur ab und genossen den Schatten in einem Strandcafé.

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Strand östlich von Heraklion in Karteros

 

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Bad in der Brandung
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Und so sah es unter Wasser aus – eines von vielen Unterwasserfotos von Elisabeth

16:30 Uhr waren wir wieder zurück in den Apartments, verabredeten uns für 18:30 Uhr, um dann zum gemeinsamen Abendessen und anschließend weiter auf den „Touri-Markt“ in Hersonisses zu fahren, um dort letzte Einkäufe zu erledigen. Morgen früh würde es dann zurück nach Hamburg gehen.

 

Freitag, 29. Juli 2016

Der Tag begann früh für Sibel und die beiden Lehrkräfte, denn Sibel musste bereits um 6:50 Uhr ab Heraklion (via Rom) nach Lissabon fliegen. Start bei den Apartments war wie verabredet um 4:30 Uhr, schon nach 25 Minuten waren wir am Flughafen, konnten direkt vor dem Terminal parken. Der Check In lief um diese Uhrzeit innerhalb weniger Minuten ab und so verabschiedeten wir Sibel kurz danach vor dem Security-Check. Während Sibel auf den Abflug wartete und in Richtung Rom abflog, waren ihren Lehrkräften noch zwei weitere Stunden Schlaf gegönnt.
Der Abflug für den Rest der Gruppe war um 12:20 Uhr. Wir verließen Piskopiano um 9:30 Uhr und waren erneut nach einer knappen halben Stunde am Flughafen. Auch am Vormittag verlief alles reibungslos einschließlich der Rückgabe unseres Leihfahrzeugs.

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Der A 320 der Air Berlin auf dem Flughafen in Heraklion

Mit leichter Verspätung hob unser A 320 der Air Berlin ab, für die an der linken Seite sitzenden gab es einen letzten Blick auf Heraklion und die Nordküste Kretas.
Nach ruhigem Flug landeten wir fast pünktlich um 14:55 Uhr in Hamburg und unser Gepäck rollte schon auf dem Band, als wir es gerade erreichten.
Am Terminal 1 warteten Verwandte und Freunde, Herr Fraedrich nahm alles Probenmaterial an sich, weil ein Teil schon zur weiteren Bearbeitung in die Universität Hamburg muss, und Emilies Mutter machte das letzte Gruppenfoto.

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Rückkehr nach Hamburg – das letzte Gruppenfoto während der Forschungsreise

Eine wieder einmal sehr erfolgreiche und erlebnisreiche Forschungsreise ging nach fast acht Tagen zu Ende – und nun begannen für alle die wohlverdienten Sommerferien. Insgesamt haben wir auf Kreta 1433 km mit unserem Auto zurückgelegt, da die einzelnen Exkursionspunkte für die verschiedenen Projekte zum Teil weit von unserem Standort entfernt lagen. Überschlagen gerechnet haben wir etwas mehr als 30 Stunden im Auto verbringen müssen, um alles zu erreichen, was wir sehen wollten und für die Projektarbeit erledigen mussten.

Am Abend bestätige Sibel mit einer Kurznachricht dann ihre gute Ankunft in Portugal. Zwei Flüge und eine 130 km lange Taxifahrt hatte auch sie an ihr Ziel gebracht.

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Das Team Kreta 2016 wird nun auf den Wettbewerb Jugend forscht 2017 hinarbeiten